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Bjarne Tipps zu Übergewicht und COVID-19-Lockdown: Routinen, virtuelle Umarmungen und Kuchen-Überraschungen vor der Tür von Freunden

Für mich ist das Leben mit Übergewicht immer ein Kampf, aber während einer Ausgangssperre – wo man zuhause bleiben muss – kann es schwieriger sein als je zuvor. Meine täglichen Routinen zu ändern ist nie gut für mich, weil ich dann anfälliger für Snacks bin. Deshalb versuche ich, meine täglichen Routinen so normal wie möglich zu halten.

Tu so, als würdest du zur Arbeit gehen

Für mich bedeutet das, dass ich mir nicht einfach bequeme Hauskleidung anziehe, wenn ich morgens aufwache. Nein, ich bade, ziehe mich ordentlich an und frühstücke etwas Gesundes, wie wenn ich zur Arbeit gehen würde. Und statt mein Haus zu verlassen, gehe ich dann in mein Home-Office und arbeite. Auch wenn es nicht so viel wie gewohnt zu tun gibt, versuche ich trotzdem, einen ganzen Arbeitstag zu arbeiten, aber vielleicht ist meine Kaffeepause und Mittagspause ein paar Minuten länger als normalerweise und vielleicht surfe ich etwas länger als gewöhnlich im Internet. Für mich ist es wichtig, meine Arbeitsroutinen zu behalten, da es mir dadurch auch leichter fällt, meine anderen Routinen beizubehalten.

Man wearing glasses looking to the right.

"Für mich ist es wichtig, meine Arbeitsroutinen zu behalten, da meine Arbeitsroutine für mich auch meine anderen Routinen erleichtert, damit ich auf Kurs bleiben kann."

-Bjarne Lynderup

Die Arbeit von zu Hause bedeutet auch leichteren Zugang zum Kühlschrank und zu den Schränken mit Essen. Und für jemanden wie mich, der mit Übergewicht lebt, ist dies eine Falle in die ich nicht treten darf. Deshalb versuche ich, Obst und Nüsse in Griffweite zu haben, damit ich keine „dummen“ Sachen mache, und ich versuche jeden Tag zur gleichen Zeit zu essen, um unnötige Zwischenmahlzeiten zu vermeiden. Aber ich muss zugeben, dass dies eine Herausforderung für mich ist, und ich neige dazu, etwas mehr als normal zwischendurch zu essen. Dies ist zwar ein Problem, aber während dieser Ausgangssperre nicht das Schlimmste für mich.

Die größte Herausforderung

Für mich ist eines der schwierigsten Dinge die Tatsache, dass ich nicht in mein Fitnesscenter gehen oder Powerwalks machen kann. Momentan kann ich nicht ins Fitnessstudio gehen und das ist schlecht für meine Gesundheit, weil ich an Muskelkraft verliere und dies auch meine Stimmung beeinflusst. Ich war in einer guten Phase und bin regelmäßig ins Fitnessstudio gegangen und ich weiß, dass es eine Herausforderung sein wird, diese Gewohnheit wieder aufzunehmen, wenn ich wieder ins Fitnessstudio gehen darf. Ich kann einige Übungen zu Hause durchführen, aber ich mag es, gemeinsam mit anderen Menschen in meinem lokalen Fitnessstudio zu sein, und freue mich auf den Tag an dem das wieder möglich ist.

Man with a serious look on his face, looking right.

"Eine andere Sache, die ich vermisse, sind Freunde und Familie. Ich habe meinen zehnjährigen Sohn schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen, und es scheint als ob es noch eine Weile dauern wird, bis ich ihn wiedersehen kann."

-Bjarne Lynderup

Online verbinden – und Freunde überraschen

Eine andere Sache, die ich vermisse, sind Freunde und Familie. Ich habe meinen zehnjährigen Sohn schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen und es scheint, es wird noch eine Weile dauern, bis ich ihn wiedersehen kann. Das ist schwer, sehr schwer. Aber wir kommen zurecht – wir telefonieren, Skypen und schreiben SMS. Ich habe seit der Ausgangssperre keine anderen Angehörigen oder Freunde gesehen, aber wir bleiben telefonisch in Kontakt. Um mit dieser Ausnahmesituation umzugehen, habe ich für einige Freunde gebacken und dann die Kuchen einfach vor der Tür gestellt. Für mich war das eine Möglichkeit, mit der Tatsache umzugehen, dass ich es vermisse, bei ihnen zu sein. Eines der ersten Dinge, die ich nach der Ausgangssperre tun werde, ist es, Freunde und Familie zu besuchen.

Man kneading a dough with flour flying around.

"Um mit dieser Notlage umzugehen, habe ich für einige Freunde gebacken und dann die Kuchen einfach vor die Tür gestellt."

-Bjarne Lynderup

Bleib emotional stabil

Da ich seit mehr als drei Jahrzehnten mit Übergewicht lebe, weiß ich, dass ich darauf schauen muss, emotional stabil zu bleiben. Ich neige nämlich dazu, wegen meiner Stimmungsschwankungen zu essen, und daher ist es ein Problem, dass ich solche schwankungen öfter erlebe als normalerweise. Um damit umzugehen, versuche ich neue Routinen zu finden, die mich glücklich machen und mir helfen, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, als die, die ich sowieso nicht ändern kann. Zum Beispiel versuche ich mich während des Lockdowns auf meine Schlafgewohnheiten zu konzentrieren, die aufgrund der Schlafapnoe vorher nicht so gut waren. Dadurch habe ich einige neue Routinen entwickelt, die mir zu helfen scheinen. Jeden Morgen klingelt mein Wecker um 7 Uhr – später als normal, aber immerhin jeden Tag um die gleiche Uhrzeit. Ich öffne die Fenster für ein paar Stunden in meinem Schlafzimmer, um den Raum gut durchzulüften. Abends esse ich gerade genug, um nicht hungrig zu sein und gehe dann zu Bett wenn ich müde bin und nicht zu bestimmten Zeiten. Jetzt schlafe ich jede Nacht fast eine Stunde länger und das ist perfekt. Ja, ich weiß, ich hätte das schon vor langer Zeit tun sollen, aber erst die Ausgangssperre hat es mir jetzt ermöglicht.

Man carrying a cardboard box out his house.

"Um damit umzugehen, versuche ich neue Routinen zu finden, die mich glücklich machen und mir helfen, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, als die, die ich sowieso nicht ändern kann."

-Bjarne Lynderup

Das neue Normal – und virtuelle Umarmungen

Es ist recht interessant, dass das Leben unter der Ausgangssperre so scheint, als wäre es eine Art neue Normalität. In der ersten Woche habe ich versucht mich zurechtzufinden, aber ich habe noch nicht genau gewusst, wie ich die Dinge anpacken sollte. Inzwischen habe ich neue Wege gefunden und es klappt ziemlich gut. Beim Einkaufen in der ersten Woche schienen Kunden gestresst und sogar leicht panisch zu sein. Heute ist es für mich natürlich, mir die Hände im Supermarkt zu desinfizieren, in der Warteschlange nicht nahe bei anderen zu stehen und darauf zu achten, nicht in der Nähe anderer zu husten oder zu niesen. Irgendwie war es einfacher, mich an die neue Situation anzupassen, als ich gedacht hatte. Und das ist etwas, an das wir uns auch nach der Ausgangssperre erinnern sollten.

Smiling man standing inside, looking out the window.

"Während der Ausgangssperre ist es noch wichtiger an diejenigen zu denken, die eine virtuelle Umarmung und etwas Ermutigung brauchen können."

-Bjarne Lynderup

Ich glaube generell daran, dass wir einander helfen müssen, besonders wenn wir jemanden kennen, der Schwierigkeiten im sozialen Umgang hat. Aber während der Ausgangssperre ist es noch wichtiger, an diejenigen zu denken, die eine virtuelle Umarmung und etwas Ermutigung benötigen könnten. Das Leben mit Übergewicht kann – auch ohne Ausgangssperre – sozial herausfordernd sein und jetzt besteht das Risiko, dass die soziale Herausforderung noch größer sein wird. Daher ist es wichtig, dass wir gegenseitig in Kontakt bleiben und einander dabei helfen, diese Krise durchzustehen.

Gemeinsam sind wir stärker

Soziale Medien sind diesbezüglich für mich inspirierend. Eine Idee, die ich gestern bei Freunden von mir gesehen habe, war gemeinsam zu Hause über Skype zu trainieren. Ich finde, es war eine tolle Idee, die wirklich von jedem kopiert werden kann. Warum nicht Skype-Treffen organisieren, wo man sich unterhalten, lachen und Spaß haben kann. Oder vielleicht zusammen eine Tasse Kaffee trinken, einen Film anschauen oder ein Buch lesen. Es ist wichtig, sich auch während der Ausgangssperre um andere zu kümmern.

Woman making a heart gesture with her hands towards a video call with a young girl.

"Warum nicht Skype-Treffen organisieren, wo man sprechen, lachen und Spaß haben kann."

-Bjarne Lynderup

Wenn man sich anschaut, was im Moment mit dem Coronavirus passiert, scheint es, als würden wir das Zusammensein so sehr schätzen wie schon lange nicht mehr. Von Balkon-Singen, über Applaus für medizinische Fachkräfte, bis hin zu Skype-Sport und vieles mehr, wertschätzen wir jetzt das Zusammensein und das ist großartig. Ich hoffe sehr, dass wir das auch weiterhin tun werden und ich hoffe, dass es auch das Zusammensein mit Menschen einschließt, die mit Übergewicht oder anderen Krankheiten leben und für gewöhnlich stigmatisiert werden.

Meine Hoffnung für alle und besonders für diejenigen, die wie ich mit Übergewicht leben, ist, dass sie alles tun, was sie tun können, um gesund zu essen, Fitnessübungen zu Hause zu machen und sich mit Freunden und Familie in den sozialen Medien auszutauschen. So kommen wir zurecht bis nach dem Coronavirus alles wieder zum normalen Zustand zurückgekehrt ist.

Gemeinsam sind wir stärker.

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