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Adipositas, Männlichkeit, Mobbing wegen Übergewicht und Lösungen: Mein Leben mit Adipositas

Was bedeutet es, ein Mann zu sein? Bedeutet es, dass Sie stark und mutig sind? Zuverlässig? Dass Sie keine Probleme haben – oder dass Sie nicht zugeben, dass Sie Probleme haben? Was wäre, wenn das Zugeben eines Problems Sie in die Lage versetzt, es zu lösen und zu überleben. Sprechen wir über Adipositas, Männlichkeit und wie mit Fettleibigkeit bei Männern umzugehen ist.


 

Ich war immer der «kräftige Kerl». Ich war schon in der Schule der Dicke und dieses Image verfolgte mich in der High School, der Universität bis ins Erwachsenenalter.

Obwohl ich schon immer wusste, dass ich anders bin und gezwungen war, etwas dagegen zu tun, wurde ich auch stark von widersprüchlichen Botschaften über Männlichkeit, Gesundheit der Männer und meinen Körper beeinflusst. Als Mann ist mein Körper sowohl mein grösstes Kapital als auch mein grösstes Manko.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, ist es klar, dass meine männlich geprägten Überzeugungen eine grosse Rolle beim Fortschreiten meiner Krankheit gespielt haben.

“Ich war schon in der Schule der Dicke und dieses Image verfolgte mich in der High School, der Universität bis ins Erwachsenenalter.”

-Ian Patton

Was bedeutet es, ein Mann zu sein?

Schliessen Sie Ihre Augen und reisen Sie mit mir in die frühen 90er Jahre. Stellen Sie sich vor, Sie sind ein 10-jähriger Junge, der träumt, ein Power Ranger oder Ninja Turtle zu sein. Sie haben Donkey Kong auf dem Super Nintendo gespielt und Sie tragen ein neonfarbenes T-Shirt.

Was lernt der kleine Junge über seinen Platz auf der Welt? Welche Botschaften erhält er, wie ein Junge zu sein hat und wie er zu einem Mann wird?

Er wächst auf in einer Gesellschaft, an einem Ort und in einem Zuhause, wo man ihm beibringt, gross und kräftig zu sein, mutig und aggressiv. Er lernt, dass er verantwortungsbewusst und zuverlässig sein muss, ein Beschützer und Versorger. Dies sind die männlichen Eigenschaften, die er zu verstehen hat.

Das Gefühl, ein Aussenseiter zu sein

Aber was ist, wenn Sie nicht in diese Form passen? Was ist, wenn Ihr Körper nicht mit dem traditionellen männlichen Ideal übereinstimmt? Was ist, wenn die ganze Welt nur einen dicken Körper sieht? Eine dicke und andersartige Person?

Ich war dieses Kind und jetzt bin ich dieser Mann. Und ich kann Ihnen sagen, dass es einen heftigen Konflikt darstellt, wenn man für den Körper einerseits Komplimente erhält und sich anderseits für ihn schämt.

Wenn man einerseits ermutigt wird, kräftig zu sein und den Körperumfang zum eigenen Vorteil zu nutzen, und andererseits mit dem öffentlichen Verständnis leben muss, aufgrund des Körperumfangs unvollkommen und fehlerhaft zu sein. Wenn man handfeste und kräftige Spitznamen wie «Elch» oder «Panzer» erhält, aber auch mit Hassnamen wie »Dickie», «Schweinchen» oder «Fettarsch» tituliert wird.

“Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, ist es klar, dass meine männlich geprägten Überzeugungen eine grosse Rolle beim Fortschreiten meiner Krankheit gespielt haben.”

-Ian Patton

Widersprüchliche Rollenmodelle

Es gibt einen schmalen Grat zwischen dieser positiven, kompetenten und ermutigten männlichen Rolle und dem gefürchteten, beschämenden und übermässig grossen Körper. Die gemischte Botschaft kann extrem verwirrend sein: «Du musst grösser und stärker sein, aber auch ein bisschen abnehmen und dünner werden, weil du jetzt zu dick bist.»

Was diese Botschaft noch schlimmer und gefährlicher macht, ist die Tatsache, dass es keine klaren Antworten darauf gibt, was man selbst tun kann, damit sich die Waagschale wieder zu dem grossen, starken männlichen Bild zurückpendelt. Alles, was Sie hören, ist: «Sei ein Mann, gib dir mehr Mühe, mach ein bisschen Gewichtheben, schwitze es heraus» und dergleichen.

Durch den Sport abgeschirmt

Als ich mit Adipositas aufwuchs, hatte ich das Glück, an Aktivitäten teilzunehmen, bei denen mein Körperumfang ein Vorteil war. Ich habe Sportarten wie Hockey, Baseball, Rugby, American Football und Freistilringen betrieben. Diese haben alle die starke, leistungsstarke und aggressive Botschaft, über die wir gerade gesprochen haben, verstärkt.

Auf vielerlei Weise waren diese Lektionen und Chancen meine Rettung. Sie haben mich vor dem gleichen Mass an Diskriminierung, Voreingenommenheit und Missbrauch geschützt, von dem einige meiner Altersgenossen berichten.

Gut im Sport zu sein und als der «grosse Mann» bejubelt zu werden, bedeutete Selbstvertrauen und positive soziale Erlebnisse und vor allem Freunde.

“Es gibt einen schmalen Grat zwischen dieser positiven, kompetenten und ermutigten männlichen Rolle und dem gefürchteten, beschämenden und übermässig grossen Körper. Die gemischte Botschaft kann extrem verwirrend sein.”

-Ian Patton


Mobbing wegen Übergewicht

Ja, ich bin genau wie jedes andere übergewichtige Kind deswegen gemobbt worden. Meine Altersgenossen haben mich gequält, mich herumgeschubst, gemeine Scherze auf meine Kosten gemacht und mich immer wissen lassen, dass ich in einer Hinsicht anders bin als sie.

Nachdem das Mobbing gewalttätig wurde, habe ich gelernt, mich und andere zu schützen, mit Gewalt, wenn es nötig war. Die Mobber habe ich schnell zurechtgewiesen und sie wurden dann selten wieder aggressiv.

Das zweischneidige Schwert

Im Rückblick gab es zwei Kehrseiten des Aufwachsens in dieser Welt der stereotypischen Männlichkeit: einerseits trug dies wahrscheinlich zum Fortschreiten meiner Erkrankung bei und andererseits wurde meine Fähigkeit, um Hilfe zu bitten, eingeschränkt.

So funktionierte es: Einerseits wurde ich ermutigt, kräftiger zu werden (bis zu dem Punkt wo es kein Zurück mehr gab). Andererseits habe ich gelernt, dass man als Mann aufstehen und seine Probleme selbst lösen muss. Man darf nicht um Hilfe bitten. Die Bitte um Hilfe ist eine Schwäche und widerspricht dem Bild, das die Gesellschaft von einem verlangt.

“Gab es zwei Kehrseiten des Aufwachsens in dieser Welt der stereotypischen Männlichkeit: einerseits trug dies wahrscheinlich zum Fortschreiten meiner Erkrankung bei und andererseits wurde meine Fähigkeit, um Hilfe zu bitten, eingeschränkt.”

-Ian Patton

Männer versus Frauen: ein nuanciertes Bild

Für uns Männer gibt es keinen Zweifel, dass wir es leichter haben, Akzeptanz zu finden und eine Zweckbestimmung für unseren Körper zu finden. Es ist für uns im Vergleich zu den Frauen eher gesellschaftlich akzeptabel, mit Übergewicht herumzulaufen, und wir werden viel seltener gezwungen, uns unseres Körpers zu schämen. Gleichzeitig wird die Idee, «krank» zu sein und Hilfe wegen Adipositas zu brauchen, von Männern nicht vollständig angenommen.

Wenn dazu noch die Angst kommt, Schwäche zu zeigen, haben Sie eine Situation, in der wir Männer generell keine Behandlung für Adipositas suchen oder erhalten, wenn sie benötigt wird.

Jetzt möchte ich nicht mal abwägen, ob die gesellschaftlichen Normen hinsichtlich Gewicht und Körper für Männer oder Frauen schlimmer sind. Wir alle wissen, dass, wenn es um Körper, Gewicht und Fettleibigkeit geht, die Welt ungewöhnlich grausam mit Frauen umgeht. Die Geschlechter sind unterschiedlich, und es lohnt sich, einige der selten besprochenen Folgen zu betrachten, die Auswirkungen auf die Gesundheit der Männer haben.

Oh, welche Ironie

Als ein sportlicher Mann, der sich für die Wissenschaft und den Körper interessierte, studierte ich Kinesiologie – die Untersuchung des Körpers in Bewegung, auch bekannt als Bewegungswissenschaft. Während meine Krankheit fortschritt, habe ich weiter zum Thema Gesundheit, Ernährung und körperliche Betätigung studiert.

Ich habe auf dem Gebiet Adipositas promoviert. Ironischerweise war ich, als ich den Höhepunkt meines Wissens erreicht hatte, am kränksten und wog fast 160 kg. Ich litt unter Bluthochdruck, einer schweren Schlafapnoe und mich quälte der Gedanke, dass mein Fett das Leben aus mir heraussaugte.

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Sollte ich nicht mit all meinem Wissen in der Lage sein, etwas gegen meine Adipositas zu tun? Mein Körper sendete der Welt das Signal, dass Wissen eindeutig nicht genug ist.

Wie die meisten Menschen war ich in die Welt der kommerziellen Ernährungs- und Bewegungskultur eingetaucht. Ich hatte beharrlich daran geglaubt, dass Willenskraft und Entschlossenheit meine Adipositas verschwinden lassen könnten. Wenn ich nur genügend hungern und schwitzen würde, wenn ich nur genug Unannehmlichkeiten ertragen würde und dies ganz ernsthaft wollte, könnte ich mich heilen.

“Die Idee, «krank» zu sein und Hilfe wegen Adipositas zu brauchen, von Männern nicht vollständig angenommen.”

-Ian Patton

Der Kampf mit dem Ego

Während ich in dieser Selbstheilungseinstellung verharrte, weigerte ich mich, mein Adipositas als Krankheit anzusehen. Ich liess zu, dass mein Ego und meine machohaftes Weltbild die richtige Therapie meiner Krankheit verzögerten. Ich wurde durch meine Sturheit immer kränker. Und es hätte mich fast mein Leben gekostet.

Ich war so krank, dass ich jeden Morgen aufwachte und mich fragte, ob heute der Tag wäre, an dem mich das Fett umbringen würde. Ich begann mich zu fragen, wie meine Kinder ohne ihren Vater zurechtkommen würden.

Nicht so ungewöhnlich

Mit diesem Problem bin ich nicht allein. Es gibt so viele Männer, die es einfach ablehnen, sich um ihre Gesundheit zu kümmern, oder sie ignorieren, da es unmännlich ist, um Hilfe zu bitten. Adipositas, psychische Gesundheit, Untersuchungen auf chronische Krankheiten ... Es kann alles betreffen.

Man kann nur hoffen, dass Sie wie ich erkennen, dass Sie nur durch Ablegen Ihres Stolzes und das Angehen Ihres Problems die Hoffnung haben können zu überleben.

“Es gibt so viele Männer, die es einfach ablehnen, sich um ihre Gesundheit zu kümmern, oder sie ignorieren, da es unmännlich ist, um Hilfe zu bitten.”

-Ian Patton


Einige Männer im Wartezimmer eines Arztes

Im Jahr 2014 erhielt ich einen Magenbypass als Teil meiner Adipositasbehandlung. Die Phase vor der Operation war intensiv, mit einer Reihe von Terminen und Meetings. An meiner ersten Orientierungssitzung nahmen fast 50 Personen teil, von denen nur 3 Männer waren.

Gemessen an der Anzahl der Männer in den Warteräumen bei meinen Terminen zur bariatrischen Chirurgie war dies nicht ungewöhnlich. Ich bin auch Mitglied mehrerer Selbsthilfegruppen, und hier ist normalerweise nur eines von 5 Mitgliedern männlich.

Wenn Sie die Adipositas quer über die Bevölkerung betrachten, können Sie diesen gleichen geschlechtsbasierten Unterschied nicht erkennen. Dies sagt uns, dass Männer keine Behandlung anstreben und nicht um Hilfe bitten. Angesichts der komplexen und chronischen Natur dieser Krankheit befürchte ich, dass sehr viele Männer reagieren wie ich – indem sie die Krankheit in der irrigen Annahme, dass die Bitte um Hilfe ein Zeichen der Schwäche darstellt, unkontrolliert fortschreiten lassen.

In anderen Krankheitsbereichen (z. B. psychische Gesundheit) werden Anstrengungen unternommen, um die Stigmatisierung von Hilferufen und angeboten für Männer abzubauen. Wir müssen dasselbe für Adipositas und die verschiedenen verfügbaren Behandlungen tun.

Die Männer müssen erkennen, dass es in Ordnung ist, um Hilfe zu bitten.

“In Wahrheit gibt es nichts Männlicheres oder Stärkeres, als den Mut zu zeigen, seine Verletzlichkeit einzuräumen und offen über alle Aspekte seiner Gesundheit zu sprechen.”

-Ian Patton


Die Stigmatisierung, die nicht existieren sollte

Es braucht Männer, die ihrem Umfeld ihr facettenreiches Wesen offenbaren. Ein Mann kann stark und intelligent sein und TROTZDEM die Stärke und das Wissen anderer benötigen – besonders, wenn seine Gesundheit gefährdet ist.

Wir brauchen mehr Männer, die sich einreihen, die ihre Meinung äussern und eine Verbesserung der Situation fordern. Und wir brauchen noch mehr Männer, die vorangehen und ein Beispiel dafür geben, dass der Umgang mit Adipositas nicht vom Betroffenen allein zu schaffen ist.

In Wahrheit gibt es nichts Männlicheres oder Stärkeres, als den Mut zu zeigen, seine Verletzlichkeit einzuräumen und offen über alle Aspekte seiner Gesundheit zu sprechen.

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